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Exper­ten­in­ter­view

Prof. Dr. Chris­toph Häber­le ist Ver­pa­ckungs­ex­per­te für den Bereich Design und Kon­struk­ti­on. Seit über 20 Jah­ren ist er Pro­fes­sor im Stu­di­en­gang Ver­pa­ckungs­tech­nik an der Hoch­schu­le der Medi­en in Stutt­gart und lei­tet den Mas­ter-Stu­di­en­gang Packa­ging Deve­lop­ment Manage­ment. Dar­über hin­aus ist er ein renom­mier­ter Farb­for­scher. Sei­ne Arbei­ten wur­den mit ver­schie­de­nen Prei­sen aus­ge­zeich­net u.a. dem Red Dot Design Award, Rat für Form­ge­bung, Art Direc­tors Club, Deut­scher Ver­pa­ckungs­preis. In sei­ner Funk­ti­on als Pro­fes­sor beschäf­tigt er sich mit Zukunfts­the­men im Zusam­men­wir­ken von Indus­trie, Gesell­schaft und Kul­tur. Dabei sieht er den Wan­del hin zu einem nach­hal­ti­gen Umgang mit Res­sour­cen, im Beson­de­ren im Bereich der Ver­pa­ckun­gen als eine der wich­tigs­ten Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft.

Was sind Her­aus­for­de­run­gen von Ver­pa­ckun­gen?

Die Ver­pa­ckungs­bran­che ist extrem dyna­misch und in per­ma­nen­tem Wan­del begrif­fen. Schon immer sind Ver­pa­ckun­gen eine Reak­ti­on auf gesell­schaft­li­che Bedürf­nis­se. Der Trans­port und die Lage­rung von Lebens­mit­teln führ­te bereits in der Früh­zeit zur Not­wen­dig­keit geeig­ne­ter Ver­pa­ckungs­lö­sun­gen. Mit Beginn der Indus­tria­li­sie­rung über­nah­men Ver­pa­ckun­gen mit zuneh­men­der Kom­mer­zia­li­sie­rung ver­stärkt Con­ve­ni­en­ce- und Ver­kaufs­för­de­rungs­funk­tio­nen – die Ver­pa­ckung wur­de zum Mar­ke­ting­in­stru­ment. Aktu­el­le The­men sind Online-Shop­ping, „ver­pa­ckungs­freie“ Super­märk­te, das „To-Go“-Verhalten sowie „Con­ve­ni­en­ce“. „Food­was­te“ — Fach­leu­te gehen bei­spiel­wei­se davon aus, dass etwa 50–60 % der ein­ge­kauf­ten Lebens­mit­tel in unse­ren Haus­hal­ten ver­der­ben und weg­ge­wor­fen wer­den. So defi­niert unser per­sön­li­ches Kon­sum­ver­hal­ten maß­geb­lich die Anfor­de­run­gen an die Ver­pa­ckung von mor­gen.

Ein­fa­che“ Lösun­gen gibt es hier nicht. Viel­mehr zeigt eine ernst­haf­te, ganz­heit­li­che Betrach­tung der gesam­ten Zusam­men­hän­ge rasch, dass es sich hier um hoch­kom­ple­xe Her­aus­for­de­run­gen mit viel­schich­ti­gen Kon­se­quen­zen han­delt.

Die seriö­se Ent­wick­lung von Ver­pa­ckun­gen bedeu­tet daher unter sorg­fäl­ti­gem Abwä­gen rele­van­ter Aspek­te klei­ne tech­ni­sche Wun­der­wer­ke zu erschaf­fen, die kos­ten­güns­tig, tech­nisch zuver­läs­sig sowie effi­zi­ent her­stell­bar sein müs­sen und dabei die Qua­li­tät und die spe­zi­fi­schen Eigen­schaf­ten des Pro­duk­tes per­fekt schüt­zen. Meist gelingt die­ser Spa­gat aus vie­ler­lei Grün­den u.a. der Ver­füg­bar­keit geeig­ne­ter Roh­stof­fe, Werk­stof­fe oder Ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt.

Die Ent­wick­lung neu­er Ver­pa­ckungs­lö­sun­gen, die öko­lo­gisch, öko­no­misch und ethisch ver­tret­bar sind ist dabei nicht nur eine neue, son­dern viel­mehr eine der größ­ten Her­aus­for­de­rung für Gesell­schaft und Ver­pa­ckungs­in­dus­trie.

Was hal­ten Sie von Plas­tik als Mate­ri­al?

In letz­ter Zeit liegt der gesell­schaft­li­che, media­le und poli­ti­sche Fokus mas­siv auf dem The­ma „Plas­tik“ – jedem sind Bil­der von im Meer schwim­men­dem Plas­tik­müll in Erin­ne­rung. Die gesell­schaft­li­che Hal­tung gegen­über „Plas­tik“ ist extrem nega­tiv!

Bei dif­fe­ren­zier­ter sach­li­cher Betrach­tung aller­dings bie­tet Kunst­stoff als Mate­ri­al durch­aus Vor­tei­le. Er lässt sich sor­ten­rein sowohl öko­no­misch als auch im Bereich der Pro­duk­ti­on und Ver­ar­bei­tung öko­lo­gisch mit gerin­gem Ener­gie­auf­wand effi­zi­ent ver­ar­bei­ten und wie­der­ver­wen­den. Zudem trägt Kunst­stoff gera­de bei Lebens­mit­teln und Kos­me­ti­ka durch sehr gute Bar­rie­re­ei­gen­schaf­ten gegen-über Feuch­tig­keit und Sauer­stoff maß­geb­lich zur Gewähr­leis­tung der Pro­dukt­qua­li­tät gegen Ver­derb oder Oxi­da­ti­ons­pro­zes­se und damit zu deren Halt­bar­keit und Genieß­bar­keit bei. So fal­len von der Pro­duk­ti­on bis zum Ver­brauch weit­aus weni­ger Lebens­mit­tel­ab­fäl­le an, als dies ohne Kunst­stoff der Fall wäre. Die Erzeu­gung des Lebens­mit­tels oder Pack­gu­tes stellt dabei einen um das Viel­fa­che höhe­ren Ener­gie­ver­brauch dar als der Ener­gie­ver­brauch zur Her­stel­lung der Ver­pa­ckung selbst.

Selbst­ver­ständ­lich darf an die­ser Stel­le nicht uner­wähnt blei­ben, dass zur Her­stel­lung von Kunst­stoff in der Regel Roh­öl aus fos­si­len Roh­stoff­quel­len ein­ge­setzt wird. Dem­entspre­chend ent­ste­hen hier wie bei ande­ren Mate­ria­li­en ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te CO2-Emis­sio­nen.

Wel­che Rol­le spielt die Ent­sor­gung von Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen?

Die Ent­sor­gung und Rezy­klie­rung von Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen ist von zen­tra­ler Bedeu­tung. Der Ein­satz von Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen ist gera­de in einem „geschlos­se­nen“ Wert­stoff­kreis­lauf tat­säch­lich effi­zi­ent und öko­lo­gisch sinn­voll. Wäh­rend die Wert­stoff­samm­lung und Rezy­klie­rung in Deutsch­land bereits auf ein rela­tiv gut funk­tio­nie­ren­des Sys­tem zurück­grei­fen kann, sind sol­che Wert­stoff­samm­lungs­sys­te­me in vie­len Län­dern wenig aus­ge­bil­det — häu­fig ist das Bewusst­sein, dass „Plas­tik“ ein „Wert­stoff“ ist kaum aus­ge­bil­det. In moder­nen Sor­tier­an­la­gen kann ein gro­ßer Teil der Kunst­stof­fe gesam­melt und zur Wie­der­ver­wen­dung auf­be­rei­tet wer­den. Vor­aus­set­zung für eine ein­fa­che Rezy­klie­rung ist, dass die ein­zel­nen Mate­ria­li­en sor­ten­rein von­ein­an­der getrennt vor­lie­gen.

Der Ver­brau­cher kann mit sei­nem Ent­sor­gungs­ver­hal­ten wesent­lich zur Wie­der­ver­wen­dung von Wert­stof­fen bei­tra­gen. Zum Bei­spiel wis­sen vie­le nicht, dass eine nicht voll­stän­dig abge­trenn­te Alu­mi­ni­um­pla­ti­ne oder Papier­ban­de­ro­le am Joghurt­be­cher aus Kunst­stoff an der Sor­tier­an­la­ge dazu führt, dass die Ver­pa­ckung im Gan­zen aus­ge­son­dert wird. Aus­sor­tier­te Wert­stof­fe wer­den „ther­misch ver­wer­tet“ sprich zur Ener­gie­ge­win­nung in Müll­ver­bren­nungs­an­la­gen ver­brannt. Momen­tan wer­den etwa 50% der Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen in Müll­ver­bren­nungs­an­la­gen zu Ener­gie, in Form von Strom und Wär­me umge­wan­delt.

Spe­zi­ell bei Lebens­mit­tel­ver­pa­ckun­gen kom­men oft­mals „Ver­bund­ma­te­ria­li­en“ zum Ein­satz. Sie bestehen aus meh­re­ren hauch­dün­nen Schich­ten, wel­che mit­ein­an­der zu einem fes­ten Ver­bund ver­klebt wer­den. Je nach erwünsch­ter Eigen­schaft des Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­als wer­den in den jewei­li­gen Schich­ten unter­schied­li­che Kunst­stof­fe und / oder Alu­mi­ni­um ein­ge­setzt. Ver­ständ­li­cher­wei­se kön­nen die ein­zel­nen Schich­ten nicht bzw. nur mit gro­ßem Auf­wand und damit wenig effi­zi­ent von­ein­an­der sor­ten­rein getrennt wer­den, was eine schlech­te Recy­cling­fä­hig­keit bedeu­tet. Aus tech­ni­schen und öko­no­mi­schen Grün­den wird so meist nur das „wert­volls­te“ Mate­ri­al vor der „ther­mi­schen Ver­wer­tung“ geret­tet. Bei einer Blis­ter­ver­pa­ckung für Tablet­ten wäre dies bei­spiels­wei­se das Alu­mi­ni­um.

Und was ist mit Glas?

Glas ist weit­ge­hend inert. Das bedeu­tet, dass es zu kei­nen bzw. mini­ma­len Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen einer Glas­ver­pa­ckung und dem Pro­dukt selbst kommt. Es wer­den kei­ne Stof­fe wie bei­spiels­wei­se Aro­men abge­ge­ben. Dadurch ist Glas wie die in der Nah­rungs­in­dus­trie zuge­las­se­nen Kunst­stof­fe her­vor­ra­gend für den direk­ten Kon­takt mit Lebens­mit­teln geeig­net.

Aller­dings sind Glas­be­häl­ter wie Fla­schen, Glä­ser, Scha­len etc. hin­sicht­lich ihres Gewich­tes sehr schwer und benö­ti­gen auf­grund ihrer star­ren Geo­me­trie viel Volu­men beim Trans­port zum Abfül­ler bzw. Her­stel­ler und Han­del. Dies wirkt sich bei Betrach­tung der beim Trans­port abge­son­der­ten Emis­sio­nen von CO2, Stick­oxi­den, Ruß­par­ti­keln etc. nega­tiv auf deren Öko­bi­lanz aus. So sind einer­seits auf­grund des gro­ßen unbe­füll­ten Volu­mens von Glas­ver­pa­ckun­gen wesent­lich mehr Trans­por­te und ande­rer­seits auf­grund des höhe­ren Gewich­tes des Werk­stof­fes für den Trans­port mehr Ener­gie erfor­der­lich.

Wäre Mehr­weg­glas bes­ser?

Land­läu­fig wer­den Mehr­weg­be­häl­ter, wie wir sie von Geträn­ke­fla­schen oder Joghurtglä­sern ken­nen, als beson­ders nach­hal­tig ange­se­hen. Auch das ent­spricht nur der „gefühl­ten“ Rea­li­tät. Bei genau­er Betrach­tung zeigt sich rasch, dass die Effi­zi­enz von Mehr­weg­ver­pa­ckun­gen aus Glas mas­siv von den Trans­port­we­gen und „Umläu­fen“ abhängt. „Umlauf“ bezeich­net dabei die Anzahl der Wie­der­be­fül­lun­gen eines Behäl­ter­gla­ses. All­ge­mein wird davon aus­ge­gan­gen, dass ein Behäl­ter­glas im Pool­sys­tem mit mehr als 15–25 Umläu­fen – Stan­dard­poolfla­schen wie die 0,75 l GdB Norm­brun­nen­fla­sche für Mine­ral­was­ser errei­chen Umlauf­zah­len von grö­ßer 40 – eine Mehr­weg­ver­pa­ckung öko­lo­gisch recht­fer­tigt.

Sobald jedoch mar­ken­spe­zi­fisch indi­vi­du­el­le Ver­pa­ckungs­for­men eines Her­stel­lers ein­ge­setzt wer­den und die Trans­port­we­ge zu den Märk­ten und in der Fol­ge die Rück­trans­port­we­ge zum Her­stel­ler bzw. Abfül­ler über­pro­por­tio­nal groß wer­den – oft­mals bei gerin­gen Stück­zah­len, ändert sich die Öko­bi­lanz schlag­ar­tig zu Unguns­ten einer Mehr­weg­ver­pa­ckung. So kann unter Umstän­den eine  Ein­weg­ver­pa­ckung öko­lo­gisch sinn­vol­ler sein. Zudem ver­schlech­tern die fal­sche Zuord­nung von Behäl­ter­glas in Sam­mel­be­häl­tern, der ener­gie­auf­wän­di­ge Rei­ni­gungs­pro­zess und etli­che wei­te­re Fak­to­ren des­sen Öko­bi­lanz.

Was muss sich all­ge­mein auf dem Ver­pa­ckungs­markt ver­än­dern?

Die letz­ten 10 Jah­re ging es nicht nur aus Kos­ten­grün­den, son­dern auch im Hin­blick auf Umwelt­as­pek­te dar­um, mög­lichst wenig Werk­stoff ein­zu­set­zen heißt den Res­sour­cen­ein­satz zu redu­zie­ren. Spe­zi­ell bei Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen bedeu­te­te dies immer dün­ne­re Hoch­bar­rie­re­fo­li­en, die aus meh­re­ren weni­ge Hun­derts­tel Mil­li­me­ter dicken Mul­ti­lay­er-Ver­bund­fo­li­en bestehen. So vor­bild­lich mini­ma­lis­tisch hier der Res­sour­cen­ein­satz ist, so schwie­rig wird der fol­gen­de Tren­nungs­pro­zess beim Recy­cling.  

Auch heu­te gilt es den Mate­ri­al­ein­satz zu redu­zie­ren, auf der ande­ren Sei­te jedoch die Recy­cling­fä­hig­keit und Werk­stoff­tren­nung zu for­cie­ren. Mit die­ser Absicht ist im Janu­ar 2019 das Ver­pa­ckungs­ge­setz in Kraft getre­ten, um die Recy­cling­quo­te spe­zi­ell bei Kunst­stof­fen um etwa das Dop­pel­te zu erhö­hen. „Design for Recy­cling“ lau­tet das Stich­wort, hin­ter dem sich das Ziel ver­birgt, mög­lichst sor­ten­rei­ne, leicht trenn­ba­re Werk­stof­fe ein­zu­set­zen. Um hier nun auf iden­ti­sche Bar­rie­re­ei­gen­schaf­ten zu kom­men müs­sen im Gegen­satz zur Mul­ti-Lay­er-High-Bar­ri­er-Folie dicke­re Schich­ten von Mono­ma­te­ri­al und damit in der Sum­me wesent­lich mehr Men­ge an Werk­stoff ein­ge­setzt wer­den. Nicht unbe­dingt res­sour­cen­scho­nend, doch die mög­lichst häu­fi­ge Wie­der­ver­wen­dung der rück­ge­won­ne­nen Werk­stof­fe in Form von Recy­cla­ten ist dabei Dreh- und Angel­punkt der öko­lo­gi­schen Bilanz.

Das gro­ße Ziel soll­te bei den sich schon in Umlauf befind­li­chen Werk­stof­fen sein, eine geschlos­se­ne Kreis­lauf­wirt­schaft zu errei­chen. Dabei soll­ten Werk­stof­fe so lan­ge wie mög­lich im Umlauf gehal­ten wer­den. Dies kann einer­seits durch eine her­vor­ra­gen­de Recy­cling­fä­hig­keit in fein abge­stuf­ten Kas­ka­den­nut­zun­gen erfol­gen oder ande­rer­seits auch dadurch Ver­pa­ckun­gen oder Ver­pa­ckungs­werk­stof­fen nach ihrem Gebrauch sofern mög­lich ein zwei­tes Leben zu ver­lei­hen, viel­leicht sogar mit ganz ande­ren Funk­tio­nen als dem ursprüng­lich ange­dach­tem Nut­zen. Hier­bei wur­den schon vie­le Fort­schrit­te gemacht. Teil­wei­se ver­hin­dern jedoch gesetz­li­che Vor­ga­ben, teil­wei­se aber auch tech­no­lo­gi­sche Pro­ble­me bei der öko­no­mi­schen Umset­zung den ver­stärk­ten Ein­satz von Kunst­stoff-Rezy­klat bei Ver­pa­ckun­gen. Spe­zi­ell bei Direkt­kon­takt von Pack­stoff und Pack­gut z.B. bei Lebens- und Genuss­mit­teln, Phar­ma­ka etc. ist der Ein­satz von Rezy­klat­kunst­stof­fen sei­tens des Gesetz­ge­bers nicht zuläs­sig. Eben­so lie­gen die ver­schie­de­nen Kunst­stoff­sor­ten sel­ten sor­ten­rein und vor allem stoff­lich rein vor. Häu­fig sind die­se ver­un­rei­nigt durch Bei­mi­schun­gen von Addi­ti­ven, Pig­men­ten, UV-Blo­ckern etc., wel­che die Qua­li­tät des recy­cel­ten Kunst­stoff­re­zy­kla­tes redu­zie­ren.

Bei neu in Umlauf gebrach­ten Werk­stof­fen soll­te ein wei­te­res Ziel sein vor allem für unse­re Umwelt unbe­denk­li­che aus rege­ne­ra­ti­ven Roh­stoff­quel­len ein­zu­set­zen, wel­che sich mög­lichst rück­stands­frei und ohne erneu­te Ener­gie­zu­fuhr zer­set­zen.

Ganz all­ge­mein ist drin­gend auch ein „nach­hal­ti­ge­res“ Han­deln der Kon­su­men­ten erfor­der­lich. Mit ihrem Kauf­ver­hal­ten kön­nen Käu­fer mas­si­ven Ein­fluss auf das Ange­bot des Han­dels oder der Mar­ken­ar­ti­kel­in­dus­trie aus­üben. Nicht-Kau­fen, umwelt­schäd­li­che Ver­pa­ckun­gen gezielt mei­den, ist ein macht­vol­les Instru­ment. Hier­bei kann auch der Gesetz­ge­ber unter­stüt­zen durch Ver­ord­nun­gen ent­spre­chen­de Kenn­zeich­nun­gen auf Ver­pa­ckun­gen anzu­brin­gen, die dem Käu­fer ver­läss­li­che Hin­wei­se geben, wie umwelt­ge­recht die jewei­li­ge Ver­pa­ckung ein­zu­stu­fen ist.

Wie ver­hält es sich mit Bio-Kunst­stof­fen?

Die Ent­wick­lung auf Pflan­zen­ba­sis her­ge­stell­ter Kunst­stoff­ar­ten wie bspw. „Bio-PE“ oder „PLA“ schrei­tet stär­ker vor­an. Zwar ist die Aus­gangs­ba­sis für die „Bio­kunst­stof­fe“ ein nach­wach­sen­der also rege­ne­ra­ti­ver Roh­stoff, doch schon allein beim Anbau der Pflan­zen fal­len enor­me Ener­gie­men­gen u.a. für die Pfle­ge der Fel­der, den Ein­satz von Trak­to­ren, den Trans­port des Roh­ma­te­ri­als, die Her­stel­lung von Kunst­stoff­gra­nu­lat und Ver­pa­ckung an. Zudem sind enor­me Men­gen an Was­ser und wei­te­ren Res­sour­cen erfor­der­lich. Und nicht nur bei der Erzeu­gung, auch bei deren Zer­fall ist Ener­gie zuzu­set­zen. So zer­fal­len „Bio-Kunst­stof­fe“ nur in Indus­trie­kom­pos­tie­rungs­an­la­gen mit einer Tem­pe­ra­tur von 50 – 70 Grad Cel­si­us, meist unter Zuga­be wei­te­rer Hilfs­stof­fe ent­spre­chend der gesetz­li­chen Vor­ga­ben eines „Kom­pos­tier­bar­keits-Labels“. Nach DIN EN 14995 bzw. DIN EN 13432 müs­sen danach 90% des Mate­ri­als inner­halb von 6 Mona­ten abge­baut sein, nach 12 Wochen dür­fen max. 10% des Tro­cken­ge­wich­tes in einem Sieb mit mini­mal 2 mm Maschen­wei­te lie­gen blei­ben, die Gesamt­sum­me orga­ni­scher Ver­bin­dun­gen muss dabei klei­ner als 5% sein.

Die­se Bio-Kunst­stof­fe sind für die Kom­pos­tie­rung auf dem hei­mi­schen Kom­post nicht geeig­net, die Dau­er des Zer­fal­les ist durch die nied­ri­gen Außen­tem­pe­ra­tu­ren eben­so wie der „rück­stand­freie“ Zer­fall der Bio-Kunst­stoff-Ver­pa­ckung nicht gewähr­leis­tet.

Zudem fin­det eine Wie­der­ver­wen­dung von Bio-Kunst­stof­fen in Deutsch­land momen­tan nicht statt. Die Tren­nungs­sys­te­me sehen kei­ne geson­der­te Erfas­sungs­mög­lich­keit für Bio-Kunst­stof­fe vor, son­dern wer­den den all­ge­mei­nen Kunst­stof­fen – aus oben beschrie­be­nen Grün­den nicht dem Bio­müll – zuge­führt. Hier aller­dings „ver­un­rei­ni­gen“ die Bio-Kunst­stof­fe die mehr oder weni­ger sor­ten­rein getrenn­ten petro­che­misch her­ge­stell­ten Kunst­stof­fe oder wer­den als Bio-Kunst­stof­fe bei der Wert­stoff­tren­nung aus­sor­tiert und wan­dern in die „Ther­mi­sche Ver­wer­tung“.

So stellt sich bei dif­fe­ren­zier­ter Betrach­tung auch hier erneut die Fra­ge, ob es nicht öko­lo­gisch, öko­no­misch und ethisch sinn­vol­le­re Alter­na­ti­ven gibt.

For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten im Ver­pa­ckungs­be­reich flie­ßen daher einer­seits in die nach­hal­ti­ge Opti­mie­rung bekann­ter Sys­te­me, die Mini­mie­rung des ein­ge­setz­ten Kunst­stoff­an­tei­les, sowie die Neu­ent­wick­lung alter­na­ti­ver Werk­stof­fe. Spe­zi­ell im Bereich pflan­zen­fa­ser­ba­sier­ter Werk­stof­fe u.a. Papier, Kar­ton wer­den momen­tan enor­me Anstren­gun­gen unter­nom­men die schlech­ten und für vie­le Pack­gü­ter unge­nü­gen­den Bar­rie­re­ei­gen­schaf­ten die­ses Werk­stof­fes zu ver­bes­sern und dem Werk­stoff Eigen­schaf­ten wie Feuch­tig­keits­re­sis­tenz, Sie­gel- oder Schweiss­fä­hig­keit, CO2‑, O2–  oder Was­ser­dampf-Bar­rie­re zu ver­lei­hen. Lei­der gibt es hier nur sehr spär­lich über­zeu­gen­de und markt­rei­fe Pro­duk­te, wei­te­re inten­si­ve For­schungs­ar­beit ist hier erfor­der­lich.

Was kön­nen wir ver­bes­sern?

In punk­to Nach­hal­tig­keit ist es momen­tan nicht ein­fach für Her­stel­ler, Pro­duk­te mit spe­zi­fi­schen Eigen­schaf­ten und deren Ver­pa­ckun­gen in Umlauf brin­gen. Neben der zwin­gen­den Erfül­lung  funk­tio­nel­ler Anfor­de­run­gen des Pro­dukt- und Ver­brau­cher­schut­zes sowie der Logis­tik bedeu­tet nach­hal­tig zu wirt­schaf­ten dar­über­hin­aus öko­lo­gi­sche, öko­no­mi­sche und ethi­sche Kon­se­quen­zen der Ver­pa­ckung sorg­fäl­tig zu bewer­ten. Ledig­lich öko­lo­gi­sche Para­me­ter wie bei­spiels­wei­se den CO2- oder H2O-Foot­print in den Vor­der­grund zu stel­len wäre zu ein­di­men­sio­nal, da hier öko­no­mi­sche oder ethi­sche Aspek­te außer Acht gelas­sen wer­den.

Der Druck und die For­de­rung „nach­hal­ti­ge­rer“ Ver­pa­ckun­gen ist sei­tens der Gesell­schaft und auch sei­tens des Gesetz­ge­bers mas­siv. Han­del und Mar­ken­ar­ti­kel­her­stel­ler kom­men die­sem Kon­su­men­ten­wunsch ger­ne nach, doch nicht immer gibt es bereits erwünsch­te Lösun­gen am Markt. So steht die Ver­pa­ckungs­in­dus­trie im Moment unter extre­mem Inno­va­ti­ons­druck. Fie­ber­haft wird an neu­en Werk­stof­fen, Ver­fah­ren und Pro­zes­sen gear­bei­tet. Fort­schrit­te wer­den erzielt u.a. durch redu­zier­ten Mate­ri­al­ein­satz und Ent­wick­lung spe­zi­el­ler und neu­ar­ti­ger Werk­stof­fe und Ver­ar­bei­tungs­ver­fah­ren.

Solan­ge bahn­bre­chen­de Ide­en auf sich war­ten las­sen, gel­ten fol­gen­de ein­fa­che Merk­sät­ze:

  • unnö­ti­ge Pro­duk­te ver­mei­den
  • unnö­ti­gen Ver­pa­ckungs­auf­wand ver­mei­den
  • gesam­ten Lebens­zy­klus einer Ver­pa­ckung ana­ly­sie­ren auf Ver­bes­se­rungs­po­ten­zia­le
  • umwelt­schäd­li­che Werk­stof­fe oder Ver­fah­ren sub­sti­tu­ie­ren
  • Ver­pa­ckungs­grö­ßen und Mate­ri­al­ein­satz auf das abso­lut Funk­ti­ons­re­le­van­te redu­zie­ren
  • sor­ten­rein trenn­ba­re Werk­stof­fe ein­set­zen
  • Kon­struk­ti­on und Werk­stoff­ein­satz auf Recy­cling­fä­hig­keit opti­mie­ren
  • Kunst­stof­fe mög­lichst lang im Kreis­lauf hal­ten
  • Rezy­kla­t­ein­satz erhö­hen
  • unnö­ti­ge Trans­port­we­ge von Roh­stof­fen, Pack­stof­fen oder Packun­gen ver­mei­den.

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